Stadtlauf 2013 – Der Mann mit dem Besenfahrrad


Also, ich sollte mal die Gelegenheit nutzen, um mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, was das Hollandrad betrifft, mit dem ich beim Dürener Stadtlauf als Besenfahrer auftauche.

– Nein, das Fahrrad wird auch noch zu anderen Gelegenheiten benutzt!
– Nein! Auch wenn das Fahrrad jedes Mal gleich aussieht. Ich stelle es NICHT nach dem Stadtlauf in den Keller und hole es beim nächsten Stadtlauf schon fertig geschmückt wieder raus.

Soll ich mal die Geschichte erzählen, wie ich zu dem Fahrrad gekommen bin?

Nein, besser nicht; ihr wollt das Trauerspiel nicht wirklich wissen! Also dieses Mal fand der Stadtlauf Anfang März statt (sonst am 2. Sonntag im neuen Jahr). Als ich von Udo Biege, dem Organisator des Stadtlaufs, im letzen Jahr von der Verschiebung erfuhr, sagte ich zu ihm: „Klasse, da haben wir auf keinen Fall Probleme mit Eis und Schnee.“ „Na, da kann das Wetter auch noch schlecht sein“ hatte er mir geantwortet. Mittlerweile wissen wir, er hatte recht. Udo hat in weiser Vorrausicht zum Glück ein Wochenende gewählt, wo das Wetter für diesen langen Winter ausgesprochen gut war. Allerdings rätsele ich noch immer, wie er es schon im letzten Jahr wissen konnte, dass es genau an diesem Sonntag gutes Wetter geben könnte.

Aber jetzt zum Stadtlauf:

Es beginnt mit dem Bambini-Lauf. Erwartungsfroh stehen die kleinen Racker am Start; jedes Kind mit einer Startnummer, die fast den ganzen Oberkörper bedeckt; na jedenfalls bei den Kleinsten. Eigentlich sind die Winzlinge unter ihnen zu jung, um fast 400 Meter wirklich durchlaufen zu können. Aber darum geht es bei diesem Event auch gar nicht. Die größeren Kiddies können versuchen das Ziel so schnell wie möglich zu erreichen, und die Kleinen sollen mit ihren laufbegeisterten Müttern und Vätern einfach nur Spaß haben. Jedes Kind, das das Ziel erreicht, ist ein Sieger und wird nach dem Lauf mit einem Preis geehrt. Auf eine Platzierung oder Zeitmessung wird ganz bewusst verzichtet. Es wäre schön, wenn man den ein oder anderen in ein paar Jahren beim Schülerlauf wiedertreffen würde.

Der ist kurze Zeit später auch an diesem Tag das nächste Ereignis. Hier geht es schon sportlicher zur Sache. Es ist der Ehrgeiz gefragt, als Erster seiner Schülermannschaft oder Gruppe das Ziel zu erreichen. Wie bei den Profis versuchen einige noch bis zur letzten Minute vor dem Start ihre Muskeln in Schwung zu bringen. Dann wird von 10 bis 1 und LOS runtergezählt und es geht auf die Strecke. Einige, muss ich leider sagen, sind nicht gerade die größten Sportskanonen, oder haben noch keine Vorstellung von der Länge dieser Strecke. 1,6 Kilometer, also 4 Sportplatzrunden sind ja kein Pappenstiel. Die Unerfahrenen laufen zu schnell los. Hallo, das ist doch kein 100 Meter- Sprint. Viele Gehpausen sind dann die Folge und die Strecke zieht sich für einige wie ein Kaugummi. Ich hole zum
Schluss einen drahtigen jungen Sportler ein. Er humpelt, hat Schmerzen im Knie, schimpft, dass er normalerweise schön längst das Ziel erreicht hätte. Schließlich schafft er es dann doch ins Ziel. Klasse, er hat nicht aufgegeben, obwohl er schon kurz davor war. Zähne zusammenbeißen auch wenn’s schwer fällt – und dann doch das Ziel erreichen. Das ist doch auch ein Erfolg; oder nicht?!

Für die „Cracks“ sind natürlich die 10 Kilometer der Lauf der Läufe. 6 Runden durch die Dürener Innenstadt, vorbei an Freunden und Bekannten, die am Streckenrand stehen. Jeder kann dann schon mal seine Form für die anstehende Session testen. Peter Borsdorff, der Mann mit der Sammeldose läuft auch wieder mit. Es ist der 28. Dürener Stadtlauf und Peter ist das 28. Mal auch wieder mit dabei; als Teilnehmer, nicht als Zuschauer wohlgemerkt! Ich vermute, davon gibt es nicht viele, die an allen Läufen teilgenommen haben; er wird eher der Einzige sein. Sollte ich noch was über Peter sagen? Ich denke, jeder in der Laufszene kennt ihn. Wer nicht,
dem empfehle ich die Internetseite www.runningforkids.de.vu. Dort kann man dann nachlesen, für welche Hilfsprojekte er aktuell als Läufer unterwegs ist. Peter startet übrigens in der Klasse M70. Wobei ich nicht sagen kann, was „M70“ wirklich bedeutet. Früher hatte ich immer gedacht, es hätte was mit dem Alter zu tun. Das kann aber nicht sein, so wie der Mann aussieht. 70 oder älter; auf keinen Fall!!!

Ich fahre hinter einem Läufer her, der gleichmäßig seine Runden abspult. Es ist Johann Simons aus Vettweis. Er hat Kleidergröße M75!!! und für mich ist er der Sieger des Stadtlaufs. Offiziell gewonnen hat den Lauf Yannic Stollenwerk mit einer Zeit von 31.56. Er hat mich schon überholt, als ich noch in der ersten Runde war. Unvorstellbar schnell ! Seit den letzten Jahren wird der Stadtlauf von der Schwimm-/Triathlon Abteilung des Düren 99 organisiert; genauer gesagt von der Familie Biege. Bei dem Laufevent selbst wird sie natürlich von Helfern aus der Abteilung unterstützt. Mal ganz unter uns: Wenn alles so spielerisch einfach aussieht, dann liegt es nicht daran, dass alles wirklich so easy ist, sondern das von Mary-Line und Udo der Stadtlauf gut vorbereitet wurde. Was im Hintergrund alles bewältigt werden muss, können wohl nur diejenigen erahnen, die selbst schon Läufe organisiert haben. Einige Streckenposten sind sicher Mütter oder Vätern von Kindern, die an den Trainingstagen wie die Weltmeister durchs Wasser kraulen. Wenn ich so an den Streckenposten vorüberfahre, dann ertappe ich mich, wie ich versuche herauszufinden, welches Schwimm- Kind wohl zu welchem Streckenposten als Sohn oder Tochter passen könnte. Und zu welchem Ergebnis bin ich gekommen? Zu keinem ! Ich kenne wohl zu wenige Kinder; was auch daran liegen könnte, dass auf der Bahn, auf der ich schwimme, nur Erwachsene trainieren. *g*

Also, ok, ok, überredet. Also wie ich zu dem Holland- Fahrrad, dem jetzigen Besenfahrrad gekommen bin:

Der Drahtesel meiner Frau musste dringend durch ein Neues ersetzt werden. Ich schlug also vor, es durch ein komfortables, LEICHTES Tourenrad zu ersetzen. Wir sind also in ein Fahrradgeschäft. Der Verkäufer fragte uns, was für ein Fahrrad wir genau kaufen wollten. Und meine Frau antwortete „Es sollte auf alle Fälle einen Rücktritt haben.“ Nur für den Fall, dass es hier Leute gibt, die sich nicht so genau auskennen: „Rücktritt, 7-Gang-Narbe“ und „LEICHT“ sind Begriffe, die nicht unbedingt miteinander harmonieren. Allein nur so ein Hinterrad mit Rücktritt wiegt so viel, wie das komplette Rennrad von Lance Armstrong. Also: Wir haben das SCHWERSTE Rad gekauft, das es in ganz Düren zu kaufen gab; dafür aber super bequem (jedenfalls nach Meinung meiner Frau). Steigungen sind absolut tabu. Dass man es nicht auf einem Autodach in den Urlaub transportieren kann, brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen. Es ist viel zu schwer.

Ein Gutes hat es aber. Beim nächsten Stadtlauf hole ich einfach genau dieses Hollandrad aus dem Keller und los geht’s *gggg*

Jürgen

 

 

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