Archiv für den Monat: Januar 2008


Der Stadtlauf vom Ende aus betrachtet

Ist Ihnen schon einmal passiert, dass Sie von einem Läufer angesprochen werden, der Ihnen stolz von seinem Sohn berichtet, der mit 9 Jahren 5 Kilometer in weniger als 30 Minuten zurücklegen kann ? Ok, das kann auch Ihnen passieren, wenn Sie sich in der Dürener Innenstadt befinden, wo wenig später der 5 Kilometerlauf gestartet werden soll. Na gut, dann frage ich anders: Ist es Ihnen denn schon mal passiert, dass jemand mit dem Finger auf Sie zeigt, lacht und ruft „Ahhhh, der Besenwagen !!!“ Und das passiert nicht nur einmal, sondern mehrmals. „Das ist der Besenwagen“ und sie deuten auf dich. Also wenn Ihnen so was passiert, dann schauen Sie aus wie ein Auto, oder holen sich die Hustentropfen bei Auto- Unger. In meinem Fall ist die Erklärung viel einfacher. 

Ich habe an meinem Fahrrad einen Besen angebunden. Ich werde damit hinter dem Läuferfeld herfahren und die Läufer, die zu langsam sind, von der Strecke fegen.

Bei einem Marathon fährt ein Besenwagen hinter den Läufern her. Die lahmen Enten werden dann eingesammelt und für sie ist der Lauf finito. Die Angst des Läufers vor den Besenwagen ist beim Dürener Stadtlauf aber völlig unbegründet. Udo Biege, der dieses Laufevent jetzt schon zum 2. mal organisiert hat, legt Wert darauf, dass auch ein Hobby- Läufer das Ziel erreichen kann und von der Zeitmessung erfasst wird. Nur, wer ist der letzte Läufer ? Bei einem 1,6 kilometerlangen Rundkurs wird der letzte vom schnellsten mindestens 2 mal überholt. Man kann sich also vorstellen, wie sich das Feld in die Länge zieht und wie unübersichtlich das ganze wird. Sei denn der Besenwagen markiert das Ende des Feldes.
Sowohl beim 5 Kilometer-, als auch beim 10 Kilometerlauf wurden die Läufer von Cheerleadern des American Football angefeuert. Besonders erfreulich war, dass auch die letzen Läufer, die ich ja begleitete, von ihnen mit der gleichen Lautstärke angetrieben wurden. Auf dem Rad sitzend an diesen wunderschönen Mädels vorbeizuradeln, war natürlich für mich ein besonderes Highlight und für die Läufer sicher auch. So was gibt’s natürlich nur beim Dürener Stadtlauf. Das Auge läuft ja sozusagen auch mit. Nebenbei bemerkt war die Organisation von Udo wieder vom feinsten. Ich wusste gar nicht, dass er auch einen Draht zu Petrus hat. Selbst das Wetter hat mitgespielt.
Ansonsten sind mir 3 Mädels mit roten Hemden aufgefallen. Hinten drauf die Aufschrift. „Body Workout“. Leider musste eine der Damen nach der 1. Runde die Segel streichen. Die anderen 2 wechselten zwischen laufen und gehen hin und her und befanden sich somit in der 2. Runde kurz vor meinem Vorderrad. Ich hatte den Eindruck, dass die zwei nicht so recht wussten, welche Rolle ich spielte. Wer mochte dieser seltsame Kerl mit einem Besen am Fahrrad sein ? „Und warum fährt der immer hinter UNS her ?“ werden sie sich wohl gefragt haben. Aber sie haben eisern durchgehalten und ihr Ziel erreicht. Die beiden müssten Janika und Lena gewesen sein. Beide vom Düren 99. Herzlichen Glückwunsch euch beiden.
Bei dem Hauptlauf über 10 Kilometer waren auch viele bekannte Gesichter dabei. Hier muss ich allerdings zugeben, dass ich einen Läufer überholt habe, der aber trotzdem weiter im Rennen bleiben konnte. Es war der „Mann mit dem Schuh“, Peter Borsdorff. Er hat auch diese Veranstaltung benutzt, um für seine Aktion „Running for Kids“ Geld zu sammeln. Er wurde oft während des Laufes von Passanten angehalten, die eine Spende in die Sammeldose werfen wollten. Unabhängig davon, wann er ins Ziel eingelaufen ist, war er, neben allen Frauen und Männern, die ihre sportliche Herausforderung suchten, mit seinem Engagement, das mittlerweile 13 Jahre umfasst, einer der Gewinner des Laufes.
Als sich die letzten beim 10 Km Lauf in der Schlussrunde abmühten, sah ich, wie auf der anderen Straßenseite eines der Mädels vom „Body Workout“ vorbeiging. Ich erkannte sie wieder, obwohl sie keine Sportlerklamotten mehr anhatte. Auch sie erkannte mich, lächelte mir zu, was wohl so viel heißen sollte: „Ich weiß was ein Besenwagen ist und ……….. ICH HAB’S DOCH GESCHAFFT“
Na dann bis zum nächsten Jahr.
Jürgen